Krönungsfeierlichkeiten

Der Krönung voraus ging eine Krönungsversammlung, die den König wählte.  Später ernannte der Monarch seinen Nachfolger direkt, und ab 1687 verankerte das ungarische Parlament das Recht der Habsburger auf ein Erbe der ungarischen Krone und des ungarischen Throns im Gesetz. König sollte jeweils der erstgeborene Sohn des vorhergehenden Königs werden. Während der Herrschaft von Karl III. (VI.) wurde dieses Gesetz erweitert, sodass in Ermangelung männlicher Nachkommen auch die Töchter der Herrscher gekrönt werden konnten.

Bei der Krönung von Königen war der genaue Ablauf der Krönungszeremonie durch die Krönungsversammlung festgelegt, genau wie die Route, entlang der sich die Krönungsprozession an die Orte der einzelnen Phasen der Krönungsfeierlichkeiten bewegte. Der künftige Monarch betrat die Stadt jeweils durch ein bestimmtes Stadttor und bewegte sich auf den Spuren seiner Vorgänger.

Der Herrscher gelangte vor der Krönung über eine aus Booten oder Pontons errichtet Donaubrücke ins Stadtgebiet, wo er mit Fanfaren und Ehrensalven aus Kanonen begrüßt wurde. Unterkunft fand er auf der Burg oder in der Residenz des Erzbischofs am heutigen Primatial-Platz.

Die Krönungszeremonie fand im St. Martinsdom statt, wohin der künftige Herrscher von der Burg oder vom Palast des Erzbischofs auf einem Pferd oder mit einer Kutsche gelangte. Der Dom wurde über das Südportal betreten, und der Umzug mit dem gekrönten König verließ den Krönungsdom durch das Nordtor. Im feierlich geschmückten Dom wurde der König von kirchlichen und weltlichen Würdenträgern willkommen geheißen. Für die Teilnehmer der Krönungszeremonie, die mehrere Stunden dauerte, wurde Logen und Tribünen direkt im Dom gebaut. Die Krönungszeremonie fand im Rahmen des Pontifikalamts statt. Die ungarische Stephanskrone setzte Primas, der Erzbischof von Esztergom als höchster, den Papst vertretender Würdenträger auf das Haupt des neuen Königs.

In die rechte Hand erhielt der König das Zepter und in die linke den Reichsapfel. Die Anwesenden wiederholten nach dem Palatin dreimal den Ausruf „Vivat Rex!“ Lang lebe der König! Es folgte die Nationalhymne Te Deum und die Fortsetzung der Messe. Bei der Krönung der königlichen Ehefrauen hielt man die ungarische Krone über der rechten Schulter der Königin, damit sie an der Seite ihres Ehemanns stehen und ihm helfen würde, die Last der königlichen Pflichten zu tragen. Die königlichen Frauen wurden nicht vom Erzbischof von Esztergom (Gran), sondern von Veszprém (Vesprim) gekrönt. Bei dieser Zeremonie wurde eine für diesen Zweck hergestellte Krone der Habsburger verwendet, nicht die Stephanskrone, und sie bekamen weder Schwert noch Zepter oder Reichsapfel.

Aus dem Dom machte sich der neu gewählte Herrscher mit der Krönungsprozession auf den Weg durch die Stadt. An der Spitze des Zuges hinter dem Kreuz schritten die Priester, gefolgt von den Magnaten, die die Fahnen der zum ungarischen Königreich gehörenden Länder trugen. Der Weg vom Krönungstempel zum Franziskanerkloster war mit Tuch in roter Farbe oder den drei Farben der ungarischen Flagge bedeckt, das die Bevölkerung der Stadt nach dem Durchgang der Prozession in Stücke riss. Auf dem Weg in die Franziskanerkirche ging die Prozession auf dem Platz vor dem Rathaus am Brunnen mit der Statue Maximilians, des ersten in Pressburg gekrönten Königs, vorbei. Der Festzug der gekrönten Maria Theresia war der einzige, der auch an der Marmorsäule mit einer Statue der Jungfrau Maria vor der Jesuitenkirche Halt machte, damit sich die Königin vor ihrer Patronin verneigen konnte.

In der Franziskanerkirche stand ein Podium mit Baldachin bereit, auf dem der Königsthron stand. Von diesem Ort aus schlug der König mit dem Krönungsschwert ausgewählte Männer für ihre treuen Dienste an den König zu Rittern vom Goldenen Sporn. Die Ritter durften dann goldene oder vergoldete Sporen, Säbel oder Zaumzeug für ihr Pferd tragen. Nach dem Ende der Zeremonie zog die Prozession mit dem Monarchen auf dem Pferderücken (Maria Theresia in einer Kutsche) durch die, von Gebäuden mit weißen Fassaden gesäumte, schmale Weiße Gasse (Biela ulička).

Durch das Michaeler Tor über eine steinerne Brücke über den Graben verließ die Prozession die mittelalterliche Stadt und machte im Freien gegenüber der Stadtmauer Halt, wo eine mit rotem oder dreifarbigem Tuch verkleidete Holztribüne bereitstand. Hier fand ein weiterer wichtiger Akt der Krönungsfeierlichkeiten statt, bei dem der Herrscher den Krönungseid ablegte. Der König wiederholte laut den Text des Eides nach dem Erzbischof von Esztergom. Der König verpflichtete sich, die Rechte und Privilegien der Bevölkerung und die Ausdehnung des Landes beizubehalten und gegebenenfalls neue Gebiete zu erobern oder besetzte Teile des Königreichs zu befreien. Nach abgelegtem Eid begrüßte das ungarische Volk seinen neuen König mit lauten Rufen. Der Palatin rief dreimal hintereinander „Vivat Rex!“ und die Menge wiederholte es. Der Ort hieß lange Zeit auch Eidesplatz (heute SNP-Platz). Ende des 17. Jahrhunderts hatte der Orden der Barmherzigen Brüder hier ein Kloster mit Kirche und Krankenhaus erbaut.

Die Krönungszeremonie fand am Ufer der Donau (dem heutigen Ľ.- Štúr-Platz) ihren Abschluss, wohin die Prozession zu Pferd entlang der Stadtmauer gelangte. Vor der großen Feier wurde hier Boden aus allen Komitaten des ungarischen Königreichs herbeigetragen und daraus der Krönungshügel errichtet. Der Monarch ritt im Galopp den Hügel hinauf und schwang sein Schwert in alle vier Himmelsrichtungen, womit er symbolisch seinem Reich Schutz vor, aus jeglicher Richtung anrückenden Feinden versprach. Nach dem Ende der Zeremonie erklangen Fanfaren, Trommeln und Salven. Auch die Kanonen auf der Burg wurden abgefeuert.

Den neu gewählten König erwartete im Festsaal der Burg oder im Primatialpalast das Krönungsgelage, aber auch die Menschen in den Straßen der Stadt feierten. Während der Prozession wurden Geld und Gedenkmünzen unter die Leute geworfen, auf Spießen wurden Ochsen gebraten und aus dem Brunnen floss Wein. Auch an Unterhaltung mangelte es nicht. Es gab Ritterturniere und selbst ein Feuerwerk.

Die Krönungsinsignien der ungarischen Könige

Bei der Krönung wurden dem König Objekte überreicht, die königliche Macht symbolisierten. In Ungarn wurde der König mit der Stephanskrone gekrönt. Während der Zeremonie erhielt er einen reich bestickten Krönungsmantel, ein Schwert, mit dem er auch Knappen zu Rittern des Goldenen Sporns schlug, den Reichsapfel (goldfarbene Kugel mit zweiarmigem Kreuz) und ein Zepter (filigran verziertes Heft aus vergoldetem Silber mit einer Kugel aus Bergkristall, verziert mit einer Goldkonstruktion mit Ketten).

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