Die Krönungsfeier

Seit der Schlacht bei Mohács (1526), bei der das Heer des Königreiches Ungarn unter König Ludwig II. gegen Truppen des Osmanischen Reichs in Südungarn eine vernichtende Niederlage erlitt, waren die Krönungen ungarischer Könige auf dem dortigen Gebiet bedroht.

Der erzbischöfliche Sitz in Gran (Esztergom), wo in der Kathedrale Unserer Lieben Frau und des heiligen Adalbert die Krönungen stattfanden, war kein sicherer Ort mehr. Die ganze Stadt war unter der Herrschaft der Osmanen. Das Königreich suchte nach einer neuen Krönungsstätte der ungarischen Könige und die Wahl fiel ziemlich schnell auf Poszony – Bratislava. Es war ein sicherer Zufluchtsort mit einer doppelten Stadtbefestigung, die auch den osmanischen Belagerungen widerstehen konnte. Während der Feier konnten also der künftige König, der Adel und auch die Geistlichkeit in Sicherheit sein. Und dies wurde als unabdingbare Voraussetzung für die Wahl, sowie der anschließenden feierlichen Verleihung der ungarischen Stephanskrone an den neuen König angesehen.

Zu den weiteren Gründen, die diese Wahl noch begünstigt haben zählten auch: eine ausgezeichnete Lage an der Donau, die gleichzeitig eine Verbindungsstelle zwischen Österreich und Ungarn war, der prachtvolle Martinsdom und die Stadtverwaltung, welche sich alle Vorteile vom neuen Status als Krönungsstadt sichern wollte (Den Ruhm sowie alle Stadtrechte inbegriffen.). Als erster der elf Könige und acht Königinnen übernahm Maximilian II. in Bratislava das Königszepter. Dies geschah genau am 8. September 1563 und die Tradition wurde bis zum Jahr 1860 fortgesetzt, als Budapest sie weiterführte.

Auch die damaligen Veranstalter der Krönungsfeier schätzten die kulturelle Diversität der Stadt. Bratislava bildete den Lebensraum für vier Volksgruppen: die Deutschen im Nordwesten, die Österreicher im Westen, die Ungarn im Süden und die Slowaken im Osten, welche hier friedlich nebeneinander lebten. Alle bereicherten diese Stadt durch ihr eigenes Kulturerbe. (Baustil, eigene Küche etc.) Bratislava ist zu einer wahren Kreuzung der  Nationen geworden. Hinter den massiven Stadtmauern entstanden Paläste und Kastelle des deutschen, ungarischen und österreichischen Adels.  Ihre Blütezeit erreichten auch die reichen Zünfte, man kann ihre Anzahl auf ungefähr 72 bestimmen. Die Donau gewann als  Hauptwasserstrasse an Bedeutung, denn sie stellte eine Verbindung mit den weiteren Metropolen des Reiches her.

Nach einer der wichtigsten Krönungen, die der Kaiserin Maria Theresia im Jahr 1740, erlebte Bratislava einen spürbaren Aufschwung. Die neue Besitzerin der Stephanskrone machte die Stadt zur Hauptstadt des Ungarischen Königreiches, das ein Teil ihres riesigen Reiches war. Die Burg wurde im 18.Jh. in einen prachtvollen Sitz mit einem Barockgarten und Reiterhof umgebaut. Maria Theresia glaubte, dass die massive gotische Befestigung der Burg trotz der Napoleonischen Kriege, nicht mehr nötig sei und befiehl sie abzureißen. Diese Entscheidung beeinflusste massiv den Ausbau des Zentrums, denn somit konnte die Altstadt wachsen. Als ihr Sohn Josef II. Jahre später viele wichtigen Behörden hierher umziehen ließ, waren die Bedingungen dafür schon geschaffen. Die heutige Rekonstruktion der Burg versucht an diese Aufschwungszeit zu erinnern.

Die ehemalige Stadt Preßburg bekam ein paar Jahre nach der Sanften Revolution den Status der slowakischen Hauptstadt. Auch die Fonds Europäischer Union trugen dazu bei, dass man mit den gut geplanten massiven Rekonstruktionen der vergangenen 20 Jahren Bratislava ein neues und modernes Gesicht schuf. Das architektonische Erbe des schwerfälligen Funktionalismus aus der kommunistischen Ära bedeutete für die Stadt, dass ein Drittel der historischen Schmuckstücke aus der Altstadt verschwunden ist. Heute gehört diese Melange zum Kolorit von Bratislava.

Das Erbe der Krönungsfeier wurde jedoch nicht vergessen. Jedes Jahr Ende Juni, als Erinnerung an  die Krönung von Maria Theresia, die am  25. Juni 1740 in Bratislava war, veranstaltet die Stadt diese Zeremonie. Gekleidet in historischen Kostümen sind der Erzbischof von Gran (Esztergom), der künftige ungarische König oder die Königin und die Adeligen zu sehen. Sie bringen den Zuschauern die Krönungsfeier näher. Am anschließenden Wochenende werden meistens auch ein Weinfestival des Blaufränkischen Weines mit Ochsenbraten oder ein Volksfest organisiert.

Ursprünglich begann die Krönungszeremonie mit einem feierlichen Marsch von der Burg in den Martinsdom, wo die eigentliche Krönung stattfand. Die Domspitze erinnert heute mit einer 150 Kilo schweren Imitation der ungarischen Stephanskrone als Symbol ungarischer Könige daran. Danach folgte das Gefolge dem Krönungspfad durch die Altstadt. Jeder in der Menschenmenge sehnte sich danach eine der Münzen mit dem Bild des neuen Königs zu fangen, die unter die Menge geworfen wurden. Den Krönungspfad können die Besucher auf dem Spaziergang in der Fußgängerzone der Altstadt wiederfinden. Es reicht den kleinen gelben Kronen auf der Straße zu folgen, die vom Martinsdom über den Haupt- und Franziskanerplatz bis zum Michaelertor führen.

Als der ungarische König bei der Franziskanerkirche anhielt, hat er hier einige ausgewählte Männer in den Ritterstand des Ordens vom Goldenen Sporn  erhoben. Dann folgte das Gefolge den engen Straßen weiter. So entstand beispielsweise der Namen der Weißen Gasse. Sie wurde aus Anlass der Feier weiß angestrichen, damit sie breiter, heller und feierlicher wirkte. Der frische Inhaber der Krone sprach seinen Eid hinter der Stadtmauer in der Nähe vom Michaelertor (heute der SNP-Platz), das als einziges von vier Stadttoren erhalten blieb. Schließlich gelangte das Gefolge zu dem sogenannten Krönungshügel in der Nähe von der Donau. Die Erde auf dem Berghügel wurde aus allen Teilen Ungarns hergebracht. (heute der Ľudovít-Štúr-Platz) Hier trat der König hoch und schlug symbolisch mit dem Schwert in alle vier Windrichtungen, womit er seinem Königreich den Schutz versprach.

Die Krönungsfeierlichkeiten waren und sind immer noch ein großes Event. Kein Stadtbewohner durfte damals dabei fehlen, was allerdings die Kapazitäten des Martinsdomes überstieg. Aus diesem Grunde stellte man in der Kirche weitere hölzerne Zuschauertribünen auf, damit möglichst viele Adeligen an der Liturgie teilnehmen konnten. Unweit des Martindoms in der Panská Straße steht auf der Südseite die Statue eines leicht angezogenen Jungen. Der Legende nach  ist der Junge während alle auf den neuen König warteten schnell nach Hause gelaufen. Als ihn die Kameraden riefen, soll er in seiner Aufregung vergessen haben eine Hose anzuziehen. Und das ist nur eine kurze Geschichte, welche die Besucher hier entdecken können.

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